Was MiCA seit Dezember 2024 ändert
Die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA, VO 2023/1114) gilt seit dem 30. Dezember 2024 in allen ihren Bestandteilen. Krypto-Asset-Service-Provider (CASPs) wie Coinbase, Bitvavo oder regulierte Stablecoin-Anbieter benötigen seitdem eine ausdrückliche EU-Zulassung.
Mit der Zulassung kommen harte Pflichten: getrennte Verwahrung von Kundenkrypto, transparente Auszahlungsregeln, formelle Risk-Management-Standards und - vor allem - eine Aufsichtsanbindung an die jeweilige nationale Behörde (in Deutschland: BaFin).
Wichtig: Binance hat keine MiCA-Lizenz und muss EU-Aktivitäten nach einer Übergangsfrist einstellen oder umstrukturieren. Das ändert die Hebel - macht sie aber nicht schwächer, sondern verschiebt sie auf andere Regelungsebenen.
Art. 75 MiCA: getrennte Verwahrung
Art. 75 MiCA verlangt von lizenzierten CASPs die strikt getrennte Verwahrung von Kundenkrypto. Das ist nicht nur eine Bilanzfrage - es ist ein herausgabefähiger Anspruch des Kunden gegen den Anbieter.
Bei einem rechtswidrigen Hold haben Sie nicht nur einen schuldrechtlichen Erstattungsanspruch, sondern einen sachenrechtlichen Herausgabeanspruch - das macht den Anspruch insolvenzfest und in der Vollstreckung deutlich stärker.
Bei Anbietern wie Coinbase, die unter EU-Aufsicht stehen, ist die BaFin-Beschwerde oft der schnellste Hebel. Eine Aufsichtsbehörde, die einen Verstoß gegen Art. 75 MiCA feststellt, kann unmittelbar und scharf eingreifen.
Source of Funds: was wirklich zumutbar ist
AML-Pflichten sind real - aber proportional. Wer 1.000 € auszahlen will, muss nicht das Bankgeheimnis seiner Eltern bis 2010 offenlegen. Krypto-Plattformen überziehen oft maßlos, was Source-of-Funds-Anforderungen angeht.
Was Sie als saubere SoF-Doku liefern sollten: Kontoauszüge, die die Krypto-Käufe belegen; Lohn- oder Gewinnnachweise, die die Mittelherkunft zeigen; bei Tradinggewinnen Transaktionshistorie der Vorgängerwallets.
Wenn die Plattform trotz vollständiger SoF weiter blockiert, ist sie selbst pflichtwidrig - dann wird die BaFin-Beschwerde aktuell. Wir kombinieren das oft mit anwaltlichem Schreiben unter Fristsetzung und einer Klageandrohung am Verbraucherwohnsitz.
Schadensersatz für Hold-Verluste
Bei rechtswidrigen Holds entstehen mehrere Schadenspositionen: Verzugsschäden nach § 286 BGB; entgangene Tradinggewinne, sofern konkret nachweisbar; Kursverluste während der Hold-Phase.
Letzteres ist juristisch besonders interessant: Wenn Sie 5 BTC bei 60.000 € Kurs blockiert hatten und der Kurs während der Hold-Phase auf 40.000 € fällt, ist der Differenzbetrag konkret bezifferbarer Schaden - die Plattform haftet nach § 280 BGB.
Voraussetzung: lückenlose Dokumentation. Speichern Sie die Hold-Auslösung, Korrespondenz, eingereichte SoF-Doku, alle Plattform-Zugriffs-Versuche während des Holds. Je besser dokumentiert, desto höher der durchsetzbare Anspruch.
Autor
Dr. Nikolas Hartmann
Geschäftsführender Partner · Rechtsanwaltskammer Berlin
Schwerpunkte: Digital Services Act, Plattformrecht, IT-Vertragsrecht, Digital Compliance.
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